Im Jahre 1990 entschlossen wir uns in Tres Soles, ein Theaterprojekt zu beginnen, um die Talente der Kinder und Jugendlichen, die uns anvertraut waren, zu fördern. Von Anfang an ging es darum, ihr Selbstvertrauen zu stärken, ihre Kreativität zu wecken und ihnen einen Raum zu geben, in dem sie sich ausdrücken können.
Die Gruppe bekam den Namen „Ojo Morado“, (Blaues Auge) und die kurzen Theaterstücke, die meist therapeutischen und erzieherischeren Zwecken dienten, führten wir vor allem in ähnlichen Einrichtungen wie Tres Soles auf.
Dabei lernten wir die Theatergruppe „Teatro de los Andes“ kennen, zu der wir eine enge Freundschaft aufbauten. Diese Begegnung war sehr wichtig für unsere weitere Entwicklung. César Brie, der Regisseur der Gruppe, unterstützte uns, indem er uns zu mehreren Ausbildungskursen einlud. Außerdem wurden zwei unserer Mitglieder, Lucas Achirico und Freddy Chipana, Teil ihres Ensembles.
Mit der Zeit entstanden auch längere Theaterstücke. Mit der steigenden künstlerischen Qualität begannen wir, auch in etablierten Theatern öffentlich aufzutreten. Wir nahmen an nationalen und internationalen Theaterfestivals teil und gingen auf Tourneen durch Bolivien, Chile und Argentinien sowie durch Europa, vor allem nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Diese Reisen brachten uns viele neue Erfahrungen und Begegnungen.
Mit der Zeit wurden wir künstlerisch immer erfolgreicher. Doch gleichzeitig merkten wir, dass wir die erzieherische Seite unserer Arbeit vernachlässigten. Oft stand die Aufführung im Vordergrund, nicht mehr die Kinder und Jugendlichen, deren Verhalten uns immer öfter entglitt.
Deshalb entschieden wir uns bewusst für einen anderen Weg. Wir nahmen Abstand von öffentlichen Auftritten und konzentrierten uns wieder auf ein pädagogisches, nach innen gerichtetes Theater. Der Entstehungsprozess war am wichtigsten, nicht die Aufführung vor dem Publikum. Wir spielten nur noch dann, wenn ein Stück für uns wirklich fertig war und wenn sich die Schauspieler dazu bereit fühlten.
Unsere Aufführungen fanden nun meist im Hof der Kinder- und Jugendwohngemeinschaft statt. Dort konnten wir in Ruhe arbeiten, ohne Druck von außen. So stand wieder im Mittelpunkt, was uns wichtig war: die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen und die Freude am gemeinsamen Theater.