Stefan Gurtner ist Vertreter des Schweizer Trägervereins und Regisseur der Theatergruppe „Ojo Morado“ (Blaues Auge)


Warum hast du die Wohngemeinschaft mit Theater gekoppelt?


Das hat zwei Gründe: Erstens ist das Theater sehr reich an erzieherischen und psychologischen Inhalten. Wenn man es genauer betrachtet, stellt man fest, dass das Theater über fast alle Lehrinhalte einer Grundschule verfügt. Dies gilt insbesondere dann, wenn man alle seine Bestandteile einbezieht: von der Lektüre und dem Verfassen von Texten über die Einspielung von Musik und Liedern, die Einstudierung der Dialoge, den Kauf oder die Herstellung von Requisiten, die Installation der Technik bis hin zu den Proben und den Debatten nach den Aufführungen. Ebenso fördert das Theater das Selbstvertrauen, was gerade im Fall dieser Kinder und Jugendlichen von größter Bedeutung ist. Zweitens sah ich die Möglichkeit, meine literarischen Neigungen mit der erzieherischen Arbeit im Projekt zu verbinden.


Du hast mehrere Tourneen mit der Theatergruppe von Tres Soles durch Deutschland und die Schweiz gemacht. Ist damit für dich ein Traum in Erfüllung gegangen?


Viele Leute haben davon vielleicht eine etwas romantische Vorstellung. Eine solche Tournee zu organisieren und durchzuführen, bedeutet monatelange, harte Arbeit. Natürlich war es sehr wichtig, dass die Menschen unsere Arbeit sehen und uns kennenlernen konnten. Auch für mich persönlich war das bedeutend, denn viele konnten sich nicht recht vorstellen, woran und mit wem ich arbeite. Für mich war es außerdem eine Möglichkeit, mich nach vielen Jahren wieder mehrere Monate in Europa aufzuhalten und meine alte Heimat gewissermaßen „neu zu entdecken“. Eher als von einem wahr gewordenen Traum würde ich von einer bereichernden Erfahrung sprechen.