Eine Reisegruppe entdeckungsfreudiger Kirchgemeindemitglieder aus Speicher und Alterswilen (Schweiz) machte sich auf den Weg über den Atlantik. Nicht zufällig hatten sie Bolivien als Reiseziel gewählt.
Nebst einzigartigen Landschaften und kulturellen Sehenswürdigkeiten freuten wir uns ganz besonders auf den Besuch im Kinder- und Jugendprojekts „Tres Soles“ sowie im Lehrlings- und Studentenheims „Luis Espinal“ am 20. Juli 2016. Mit großen, staunenden Augen und offenen Ohren ließen wir uns von Stefan Gurtner und auch von den Jugendlichen selbst durch alle Wirk- und Werkstätten führen. Für uns Außenstehende ist es kaum nachvollziehbar, dass die fröhlichen und selbstbewusst wirkenden Kinder und Jugendlichen schon viele schmerzhafte Lebenserfahrungen vor ihrem Eintritt in Tres Soles hinter sich haben.
Von den jungen Menschen lernen wir an den Waschtrögen, in der Schreinerwerkstatt, in der Backstube, im Musikzimmer sowie in der Karten- und Nähwerkstatt sehr viel über den lebensschulenden Alltag in der Wohngemeinschaft. Das sogenannte „Kompetenzzentrum“ von Tres Soles, die Theaterwerkstatt, führt uns in eine ungeahnte Vielfalt therapeutischer, pädagogischer und handwerklicher Übungsfelder, deren Wirkung wir nur ansatzweise erahnen können. Die „angehende Schauspieler“ vermittelt uns nicht auswendig Gelerntes, sondern erlebte Praxis. Herzliche „Hasta la próxima“-Rufe machen uns den Abschied von dieser einzigartigen „Lebensinsel“ schwer.
Nach kurzer Busfahrt erreichen wir „Luis Espinal“: „Aus baufälligen Mauern und maroden Einrichtungen ist in den letzten Jahren mit viel Arbeitseinsatz eine farbenfrohe und zweckmässige Wohn- und Lernstätte entstanden“, berichtet uns Stefan Gurtner bei der Ankunft. Unser Rundgang kann dies nur bestätigen – fast ein Ding der Unmöglichkeit, wenn wir die Bilder von „vorher“ auf der Internetseite betrachten. Die Lebensgemeinschaft hier fordert von den jungen Erwachsenen eine beträchtliche Portion Eigeninitiative und Selbstdisziplin, bevor sie den Schritt in ein selbstbestimmtes Leben tun.
Guisela und Stefan Gurtner sowie allen Mitwirkenden ein ganz herzliches Dankeschön für diese unvergesslichen Einblicke in die unermessliche Arbeit und die große Menschenliebe, die ihr alle lebt!
Ursula und Walter Köhli
(im Namen der Reisegruppe von Speicher und Alterswilen/Schweiz)
